Gedanken zum Sonntag Misericordias Domini ‒ 26.04.2020

Die Zeit nach Ostern fasziniert mich.

Es ist Frühling.  Die Natur kommt zum Leben nach dem Winterschlaf. Es ist einfach toll: das Grün der Bäume, die Farben der Blumen, das Summen der Bienen, das fröhliche Singen der Vögel…
Ich erlebe die Zeit nach Ostern auch im Glauben als eine Einladung, zum Leben zu kommen. Nach der Passionszeit – der Zeit, in der wir innehalten und uns mehr mit unseren Grenzen konfrontieren - kommt jetzt die Zeit der Freude. Jetzt spüren wir unsere Beziehung zu Gott neu und entdecken sie mit Leichtigkeit und Offenheit.

Letzten Sonntag haben wir Quasimodogeniti gefeiert. Die Einladung, wie Neugeborene voll Staunen und Neugier auf Gott zu schauen.

Nächste Woche ist Jubilate, Freut euch. Und dann kommt Kantate, Singt… Ich weiß nicht, wie diese Einladungen auf Sie wirken, aber… bei mir geht das Herz auf, ich kann durchatmen.
Ich kriege gute Laune allein schon, wenn ich den Klang höre: Jubilate, Kantate. Jubelt, Singt.
Jetzt könnte jemand sagen: Ok. Tolle Worte. Aber… wir leben immer noch in dieser Unsicherheit. Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Wie lange das Coronavirus unser Leben und Sterben bestimmen wird. Wir wissen nur, dass die Todesanzeigen Seiten füllen…

Stimmt. Das ist wahr. Und als Italienerin kann ich in diesen Tagen nie richtig abschalten. Ich denke an diejenigen, die sterben; an diejenigen, die alles tun, um Leben zu retten; an die Angehörigen, die sich nicht richtig verabschieden können…

Aber dafür habe wir diesen Sonntag. Wir wissen, dass wir nicht allein gelassen worden sind.
Heute ist der Sonntag Misericordias Domini. Zu Deutsch: Gottes Barmherzigkeit. Gott begleitet uns. Er hört unsere Stimme. Er kennt unsere Trauer. Er ist uns nah.

Ich bin der gute Hirte, sagt Jesus, und ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich. Diese Aussage gibt mir Kraft. Ich kenne die Meinen und die Meinen mich. Eine innige Beziehung. Man braucht nicht viele Worte: man weiß, der Andere ist da, wenn ich ihn brauche. So wie bei guten Freunden.

Ich wünsche uns allen, dass wir gerade in Tagen wie diesen die Nähe Gottes spüren können; dass wir aus dieser Nähe Kraft schöpfen können, um zuversichtlich aber nicht leichtsinnig zu leben.

Ihre Eliana Briante